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Gründen in Deutschland – Überblick und Ausblick

Das Deutsche Reich war gerade erst gegründet – doch überall boomte es: Neue Eisenbahnstrecken wurden im Rekordtempo genehmigt, finanziert und gebaut und neue Maschinenwerke wie AEG oder Siemens entstanden Ende des 19. Jahrhunderts in den rasant wachsenden Städten. Zu verdanken war dies einer neuen Gründergeneration, die im Gleichschritt von Innovationskraft und technischem Fortschritt den Rückstand zum am höchsten industrialisierten Land – Großbritannien – schrittweise aufholte und selbst zur Nummer 1 auf dem Weltmarkt wurde.
 

Als fast 100 Jahre später die deutsche Wirtschaft unter den Nachwirkungen des 11. September 2001 litt und aufgrund der hohen Lohnstückkosten als „kranker Mann Europas“ galt, riefen Politiker nach einem neuen Gründerzeitalter. Auch deshalb wurden 2005 das Überbrückungsgeld und die Regelungen zur Ich-AG in einem neuen Förderinstrument – dem Gründungszuschuss – zusammengefasst. So wurden im ersten Jahr knapp 250.000 Arbeitslose gefördert, von denen über 90% auch nach sechs Monaten noch erfolgreich am Markt waren. Schätzungen wie der Hamburger Arbeitsagentur, wonach nach drei bis fünf Jahren aber 20-30% der Gründungen scheitern, führten dann auch mit zu einer faktischen Einstellung des Gründungszuschusses heute.
 

Dennoch prognostizieren Trendforscher wie Matthias Horx für 2050 einen Anteil von 30-40% Selbständigen. Schon jetzt sollen 1 von 3 Angestellten in den USA in freelance-ähnlichen Beschäftigungsformen arbeiten. Karriereexpertin Svenja Hofert sieht mittlerweile eine Dreiklassengesellschaft bei den Selbständigen heraufziehen: Zur ersten Klasse mit dauerhaft gutem Verdienst zählen Selbständige, die sich in Sozietäten oder ähnlichen Organisationsformen zusammengeschlossen haben und über eine eigene Lobby verfügen – also Ärzte, Architekten oder Journalisten.
 

Im Gegensatz dazu steht die zweite Klasse: „Hier handelt es sich nicht mehr um eine Elite im Steuer- und Standessinn. Ihrer Vertreter arbeiten in Unternehmen vorwiegend an Projekten und verdienen durch die oft auftretende Projektbefristung nur noch zeitweise richtig gut“, sagt Hofert. Hier kann mit Stundensätzen von 70 bis 150 Euro/Stunde gerechnet werden. Davon kann die dritte Klasse, die vorwiegend im Coworking-Space oder Home-Office wirkt und für Unternehmen als Dienstleister arbeitet, nur träumen. Hier kommen pro Stunde oft nur zwischen 15 und 80 Euro zusammen. „Die 3. Klasse ist gespaltener als die anderen. Ein Teil hat die Existenzform nicht selbst gewählt und kämpft mit einem schrumpfenden Markt, für andere wiederum gehen aufgrund der flexiblen Lebensgestaltung lang gehegte Träume in Erfüllung“, weiß Hofert.

 

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