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Die Zukunft der Bewerbung

In den vergangenen Wochen haben wir Ihnen hier im KEX-Blog in fünf Teilen die Geschichte der Bewerbung näher gebracht. Wer aber glaubt, dass mit der Online-Bewerbung nun alles ende, irrt. „Wir sehen gerade eine neue Generation von Bewerbungen. Heute ist alles möglich: Bewerbungs-E-Books, Dossiers, Infografiken, Videos, Twitter-Nachrichten, Blogbewerbungen“, sagt die Bewerbungsexpertin und Kexpa-Betreiberin Svenja Hofert.


Den Bewerbern spielt dabei der vielbeschworene Fachkräftemangel in die Hände. Unternehmen sind zunehmend bereit, für Traumkandidaten Kompromisse einzugehen – das beginnt dann schon oft bei der Bewerbung und endet beim Gehalt oder der Home-Office-Vereinbarung. Einziger Wehmutstropfen: „In Konzernen herrscht immer noch das Online-Formular vor, das die multimediale Kreativität in Schranken weist.“
 

Die Vielfalt der Bewerbungsformen macht es für Bewerber allerdings nicht leichter und es bleibt schwierig, einen Überblick über die erwünschten und zeitgemäßen Bewerbungsarten zu erhalten. „Ich sehe immer noch, dass Lehrer für ihre Schüler Vorlagen aus den 1980er Jahren nutzen“, so Hofert. Da seien noch Elternberufe beinhaltet und der Aufbau sei vorwärts- statt rückwärtschronologisch. „Immer wieder begegnen mir zudem Menschen, die unsicher sind, welche Bewerbungsart  denn nun richtig sei.“
 

Was richtig ist, ändern Moden und Trends. Noch im 18. Jahrhundert dominierten industrielle Arbeitsformen und die Fabrikbesitzer forderten plötzlich Nachweise über den Werdegang des Bewerbers. Das war oftmals nur eine Formsache und bis 1950 dominierte die eher zusammenhanglose Erzählung. Ab dann forderten die Firmen detaillierte Auskunft über die beruflichen Stationen. Neue Kommunikationstechnologien änderten in den 60ern und 70ern auch die Erscheinungsformen von Bewerbungen.
 

Zwar dominierten immer noch handschriftliche Lebensläufe (mit maximal einer Seite), aber maschinengeschriebene Lebensläufe waren schon bekannt. Natürlich durfte auf keinen Fall eine Schriftprobe fehlen. „Auch die Elternberufe und der Mädchenname der Mutter gehörten damals unbedingt in eine Bewerbung“, sagt Svenja Hofert. In den 90ern erfanden Hesse/Schrader nach britische und amerikanische Vorbildern das Selbstmarketing. Neben einem Deckblatt wurde ein immer größer werdendes Portraitfoto eingesetzt, um sich präsentieren. 1998 schrieb Svenja Hofert für Humboldt das erste Buch über „Stellensuche und Bewerbung im Internet“, das bis heute in mehreren Auflagen erschien.
 

Spätestens seit 2006 gab es in vielen großen Konzernen nur noch ein Online-Formular. „Ich kenne Personaler, die mussten dann Post-Bewerbungen händisch in die Systeme eintippen. Natürlich waren sie darüber ärgerlich“, weiß Hofert.Dagegen hat sich in deutschen mittelständischen und Kleinunternehmen die E-Mail Bewerbung mit einem PDF durchgesetzt – anders übrigens als in den USA und UK, wo Word (*.doc)  vorherrschend ist. Der Grund ist ein praktischer: „Dort agieren mehr Agencies, die CVs anonymisiert weitergeben wollen“, so Hofert.

Mit der Netzwerkrevolution nach 2005 standen wieder ganz neue Möglichkeiten den Bewerbern zur Verfügung. Netzwerke wie Xing, Linkedin und selbst Facebook wurden für die Jobsuche genutzt.  Im Jahr 2010 wurde von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes das Pilotprojekt „Anonyme Bewerbung“ initiiert. Allerdings wollen viele Unternehmen noch sehen, wen sie vor sich haben und bevorzugen daher das Bewerbungsfoto.
 

Visuelle Repräsentationen durch Infografiken verbreiten sich seit 2011. Das ist eine gute Möglichkeit der klaren, einfachen Darstellung,  da durch viele Informationen die Lebensläufe immer kleinteiliger werden und gerade in den Wissensberufen nur noch von fachlich-adäquaten Personen verstanden werden.  Aber auch heute geht die Entwicklung noch weiter und weiter mit neuen Formen. Ganz aktuell verbreitet sich die Methode „Storytelling“. Hier verkauft man seine eigene „Geschichte“ in einem ungewöhnlichen Anschreiben. „Das kommt auch bei den Firmen besser an als die früher übliche textliche Wiederholung des Lebenslaufes“, so Hofert.

Kategorie: Selbstlernkurse